Hallo, mein Name ist Epiphora

Oder:

Das Gefängnis mit unsichtbaren Mauern

Eine Geschichte über Fibromyalgie

Hallo, mein Name ist Epiphora und ich bin nicht sehr groß. Ich bin eine Körperzelle und wohne in der Darmwand in Hettys Bauch. Ich nehme die Nahrung aus dem Darminhalt auf, sortiere sie und gebe sie anschließend weiter an meine Hundert Milliarden Freundinnen, die auch in Hettys Körper wohnen.

Zu Anfang waren wir nur ein paar Freundinnen, aber ganz langsam sind wir ein ganzer Club geworden. Wir sehen nicht alle gleich aus und machen auch nicht alle dasselbe. Aber: wir helfen einander sehr! Und wir gönnen einander das beste Leben, das man sich vorstellen kann.

Vor allem ganz zu Anfang war es sehr spannend: wir fingen mit nur wenigen an und das war toll! Wir gaben alle Informationen aneinander weiter und es kamen immer mehr Freundinnen dazu. Zusammen konnten wir auch stets mehr. Wir bauten zusammen einen schönen Körper auf, der immer mehr zu lernen anfing. Irgendwann merkten wir, dass wir uns zusammen eine bestimmte Richtung bewegen konnten. Das nannten wir: laufen! Das war toll. Alle arbeiteten zusammen und wir hatten viel Spaß daran. Wir entdeckten, wozu wir da sind und erfuhren, was unsere Aufgaben waren. Bei allem, was wir lernten, bemerkten wir schließlich auch, dass wir alles Erlebte auf unserer eigenen „Festplatte“ behielten. Wir speicherten alles in unserem Gedächtnis und konnten es jederzeit wiederfinden! Und was ich nicht mehr wusste, das wusste meine Nachbarin noch und so hatten wir zusammen einen perfekten Gedächtnisspeicher. Auffallend war, dass unsere normale Aufgabe in der Darmwand davon nicht beeinflusst wurde. Wir brauchten uns dafür nicht einmal besonders anzustrengen.

Jahrelang hatten meine Freundinnen und ich ein prima Leben, auch wenn ich ab und zu eine alte Jacke wegwarf, um eine neue anzuziehen. Wir hatten meistens reichlich zu essen und wir hatten ein warmes und angenehmes Gefühl. Der Sauerstoff und die Nahrung, die ich selbst benötigte, erreichte mich reichlich und was ich selbst loswerden wollte, konnte ich recyceln oder an die Aufräumfreundinnen weitergeben. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Hetty: ich wusste, dass sie mich spürte und mir vertraute. Zusammen bewegten wir uns sehr angenehm und ich konnte mich vollständig auf meine Aufgabe konzentrieren, für alle meine Freundinnen ein schön zusammengesetztes Nahrungspaket auszusortieren und auszuliefern. Wir durften alle dasjenige tun, das wir am besten konnten und woran wir außerdem am meisten Spaß hatten! Kurzum, es ging uns zusammen großartig.

Abends wurden wir oft etwas träge und müde nach einem Tag harter Arbeit. Dann machten wir uns einen Spaß: wir ließen Hetty so stark gähnen, dass ihre Augen davon anfingen zu tränen. Hetty verstand meistens diesen Tipp und ging ins Bett, holte noch ein paar Mal tief Atem und schlief dann ein. Wir waren dann meistens noch eine Zeit lang wach und nahmen die Zeit, alles, was wir am Tage mitgemacht hatten, noch einmal miteinander zu teilen, alles noch einmal zu besprechen und auf die Reihe zu setzen. Unsere Freundinnen in den Augenmuskeln konnten es dann nicht lassen, Hettys Augen etwas hin- und hergehen zu lassen, als ob sie selbst sich auch alles, was am Tag geschehen war, noch einmal ansehen wollte. Wenn wir uns darüber geeinigt hatten, dass alles gut gespeichert war, konnten wir einer herrlich ruhigen Zeit nachgeben, wenn Hetty fast bewegungslos in ihrem Bett lag und ruhig atmete. Auch die Freundinnen im Herzen bekamen die Gelegenheit, einen Gang runter zu schalten und so haben wir uns in jeder Nacht wieder gut erholt. So bereiteten wir uns jede Nacht wieder vor auf einen neuen Tag.

 

 

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Wenn wir wach wurden, streckte Hetty sich immer erst mal richtig und schüttelte uns einmal richtig hin und her, so dass wir richtig wach wurden. Dabei ließen wir sie noch ein paar Mal herzhaft gähnen, manchmal sogar bis sie Tränen in den Augen bekam. Dann fing der Tag an, wir hatten richtig Lust darauf. Alles bewegte sich leicht und der Tag konnte unserer Meinung nach nicht misslingen. Wir waren ganz einfach eine glückliche Familie miteinander.

Manchmal gab es wohl leichte Störungen in unserem glücklichen Leben. Aber das fingen wir auf, indem wir eine Zeit lang viel Wärme erzeugten und dann ging es uns nach ein paar Tagen wieder besser. Ab unserem 12ten oder 13ten Lebensjahr gab es plötzlich alle 4 Wochen einen merkwürdigen Tag in unserem Leben. Es wurde dann etwas kalt und eigenartig um uns herum. Wir wurden alle zusammen etwas aus der Bahn geworfen, ohne dass wir wussten, worum es ging. Aber nach kurzer Zeit war das immer wieder vorbei. Ganz merkwürdig. Und alle paar Wochen passierte es wieder. Wir konnten uns das nicht erklären und bemerkten nur, dass unsere Nahrung an diesen Tagen plötzlich viel Zucker und Schokolade enthielt. Wir dachten also, dass dies der Grund war….

Eines Tages, vor ungefähr 13 Jahren, merkten wir, dass etwas passierte: Hetty fing an, nicht mehr so gut zu atmen. Es blieb nämlich Nahrung im Darm stecken, was bei meinen Freundinnen in der Nachbarschaft so viel Krämpfe verursachte, dass Hetty nicht mehr gut durchatmen konnte. Das wurde immer schlimmer bis wir dann irgendwann alle zusammen ganz plötzlich ohnmächtig wurden. Als wir wieder zu uns kamen, hatte sich etwas verändert. Die Krämpfe und Schmerzen, die meine Freundinnen gehabt hatten, weil die Nahrung im Darm stecken geblieben war, waren verschwunden, aber es fühlte sich an, als ob etwas Scharfes durch die „Arbeitsgemeinschaft der Bauchwandfreundinnen“ gegangen war. In den darauffolgenden Tagen führten die Bauchwandfreundinnen eine Wiederherstellungsaktion aus, aber es kam nie wieder zu der fließenden Zusammenarbeit wie zuvor. Schließlich blieb an dieser Stelle in der Bauchwand ein harter, schmerzhafter Prozess anwesend. Das war nicht schön für die Freundinnen, aber für uns alle wurde es dadurch auch nicht besser. Weil Hetty Beschwerden bekam, wenn sie ordentlich tief durchatmete, fing sie, ohne es zu merken an, weniger tief durchzuatmen. Sie atmete jetzt vor allem mit dem Brustkorb, während wir davor im Bauch immer herrlich mit den Atembewegungen hatten mitmachen können.

 

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Das war sehr schade für uns alle, weil wir dadurch weniger Sauerstoff bekamen. Schlimmer war aber für uns, dass wir das Bauchatmen als „Bauchfreundinnen untereinander“ immer sehr angenehm gefunden und genossen hatten. Das haben wir seitdem sehr vermisst. Schließlich gewöhnten wir uns daran und es störte uns nicht mehr allzu sehr. Ich bekam gerade noch ausreichend Sauerstoff und konnte meine eigenen Abfallprodukte noch einigermaßen loswerden. Wir nahmen unser tägliches Leben wieder auf und strengten uns jeden Tag wieder ordentlich an. Leider bekam ich damals den Eindruck, das Hetty uns weniger Aufmerksamkeit schenkte und das machte mich schon ein wenig traurig und manchmal sogar ängstlich. Es war nicht schön!

Im Laufe der Zeit ging es mit mir bergab. Hetty hatte Probleme damit, in der Schule richtig mit zu kommen und wenn sie dann müde nach Hause kam, wurde sie nicht so warm empfangen, wie sie es sich gewünscht hätte. Die Schmerzen in der Bauchwand gingen nicht weg, was dazu führte, dass sich ihre Haltung veränderte und sie etwas vornüber gebogen lief. Die Freundinnen im Kreuz bekamen damit Schwierigkeiten und auch im Nacken lief es dermaßen fest, dass dies zu Kopfschmerzen führte. Hierdurch wurde es für Hetty immer schwieriger, ihr Tagespensum zu schaffen. Aber weil sie (genauso wie wir) ein großes Durchsetzungsvermögen besitzt, reagierte sie absolut nicht auf die Hinweise, die wir ihr gaben.

Ich habe keine Ahnung, was eigentlich in dieser Zeit alles mit Hetty passierte. Ich musste damals wohl feststellen, dass es um mich herum immer kälter wurde. Ich bekam immer weniger Sauerstoff und Nahrung für mich selbst. Ich konnte meine Abfallprodukte immer schlechter loswerden und fing an, diese in meiner eigenen Jacke aufzubewahren. Dadurch wurde ich immer schwerer und meine Bewegungen wurden steifer. Meine Arbeit litt hierunter sehr: Ich konnte kaum noch die guten Nahrungsbestandteile von den schlechten unterscheiden und sortierte nur mit großer Mühe Nahrungspakete für meine Freundinnen. Vor allem die Vitamine verlor ich aus den Augen, worauf mich all meine Freundinnen aufmerksam machten. Sogar die Produktion von Tränenflüssigkeit nahm ab wodurch unsere Freundinnen am äußeren Auge ein stechendes und trockenes Gefühl erfuhren. Sie machten immer wieder darauf aufmerksam, dass sie ohne Vitamine und andere gute Nahrungsmittel nicht mehr alles tun konnten, was sie wollten und mussten. Sie fragten mich, was denn los wäre und ich konnte nur sagen: „Ich weiß es nicht, ich bin selbst auch müde. Ich bekomme in der Zeit immer schlechtere Nahrung zum Sortieren. Sie enthält immer mehr Zucker und Schokolade. Oft ist auch viel Alkohol dabei und dann kann ich gar nichts mehr.“

Dann geschah noch etwas: Eines Tages kam Nahrung vorbei, die ich gar nicht kannte und noch nie verarbeitet hatte. Wenn ich dann aber selbst einen Happen davon nahm, wurde ich so benommen, dass ich richtig k.o. war. Ohne es selbst zu wollen, gab ich das Zeug weiter an meine Freundinnen und danach wurde alles erst richtig eigenartig. Wir schwankten hin und her, wurden manchmal bewusstlos und schliefen dann ein paar Stunden. Wenn wir dann aber wieder zu uns kamen, waren wir todmüde. Unvorstellbar, was das für Zeug war. Zum Glück hörte das nach einiger Zeit plötzlich wieder auf und konnten wir wieder etwas besser wir selbst sein.

Merkwürdig war auch, dass ich immer weniger Information zum Speichern von den Freundinnen in der Kommandozentrale im Kopf bekam. Wir fragten uns dann auch, ob „die da oben“ im Tiefschlaf waren oder so etwas. Aber wir bekamen keine Antwort. Wir bekamen auch immer seltener die Aufforderung, von uns über Jahre gespeicherte alte Informationen „nach oben“ zu schicken. Es war, als ob es sie nicht mehr interessierte. Ganz merkwürdig. Was wir aber wohl erfuhren und speicherten waren unsere eigenen Erfahrungen in dieser Zeit. Wir waren oft traurig und mussten uns unheimlich anstrengen, alles noch einigermaßen auf die Reihe zu kriegen. Dabei war noch besonders schlimm, dass wir Hettys liebe und vertrauensvolle Aufmerksamkeit nicht mehr fühlten. So, als wollte sie uns nicht mehr fühlen und als hätte sie eine Abneigung gegen uns bekommen. Oft, wenn ich mich so sehr anstrengen musste, dass ich total verkrampfte, dann passierte das gleiche mit all meinen Kolleginnen im Darm. Oft bekamen wir dann auch von unseren Kolleginnen im Kreuz die Mitteilung, dass sie akute Krämpfe bekamen, wenn bei uns etwas schiefging. Wenn das passierte, hatte ich das Gefühl, dass Hetty sich vollständig von uns entfernte. Das war sehr enttäuschend. Es war wie ein kompletter Vertrauensbruch und das machte uns sehr unsicher. Manchmal wurde es so schlimm, dass wir anfingen zu zittern. Unsere Freundinnen im Unterbauch und in den Beinen fühlten dasselbe und hatten große Probleme damit. So kalt und einsam hatten wir uns in unserem ganzen Leben noch nicht gefühlt. Böse war nicht das richtige Wort, aber sehr ängstlich und enttäuscht waren wir schon alle zusammen. Und sehr traurig.

 

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Das Ganze wurde zu einem bösen Traum, denn es wurde noch schlimmer. Wir bekamen immer häufiger schlechte Nachrichten von unseren Freundinnen in der Blase und in den Lungen. Sie erzählten, dass sie immer mehr Probleme hätten und dass ihre Kräfte abnahmen. Es passierte dann, dass Bakterien und Viren, die sie sonst ganz einfach hatten bestreiten können, ihre Umgebung beherrschten. Und das hatte Einfluss auf uns alle, indem wir nach einiger Zeit anfingen, zu zittern und zu glühen, in der Hoffnung, dass die Bakterien und Viren das nicht abkonnten. Manchmal wirkte das sofort, aber es klappte nicht immer. Zu unserer Überraschung kamen dann plötzlich in unserer Nahrung merkwürdige Substanzen vor, die erstaunlicherweise dafür sorgten, dass meine Freundinnen von diesen Quälgeistern befreit wurden. Das Glühen hörte dann auch auf und wir konnten uns wieder aufraffen. Aber leider schien es, als wenn wir jedes Mal, wenn so etwas passiert war, mehr Probleme damit bekamen, unsere Arbeit wiederaufzunehmen.

Meine Freundinnen in der Haut mussten auch mit der Abnahme von Nahrung und Sauerstoff fertig werden. Sie verloren dabei ihre gesunde Farbe und wurden immer kälter und kälter. Und taub, vor allem in Händen und Füßen. Es ging ihnen einfach schlecht und sie konnten ihre normalen Aufgaben nicht mehr erfüllen. So leiteten sie immer weniger Eindrücke an die Freundinnen im „Oberstübchen“ weiter und außerdem hatten die Mädchen da oben auch aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen immer weniger Interesse für sie. Die Haut-Freundinnen haben schließlich alles Erdenkliche versucht, um doch „gefühlt“ zu werden. Zum Beispiel indem sie Neuro-Freundinnen einluden, in den Wänden der Blutgefäße in der Haut zu Besuch zu kommen. Die Neuro-Freundinnen sorgten dabei für mehr Gefühl in der Haut bis hin zu Schmerzempfindungen! Aber leider reagierte Hetty genauso wie sie es lieber nicht wollten: Hetty ließ sie einfach weiterrummeln und hörte nicht auf das, was sie ihr deutlich machen wollten. Sie riefen Hetty zu: Gib uns so schnell wie möglich mehr Sauerstoff, Nahrung, angenehme Bewegung, Aufmerksamkeit und Vertrauen, weil wir das unbedingt brauchen. Aber leider passierte genau das Gegenteil. Und das ging jahrelang so weiter. Es hat sehr wehgetan. Und war sehr enttäuschend.

Eines Tages geschah etwas, das wir noch nie vorher mitgemacht hatten: Es kam ein sehr merkwürdiges Zeug im Darm vorbei, nach dessen Passage plötzlich alle Darmfreundinnen anfingen, ganz stark zu pressen. Das führte dazu, dass der Darm sich innerhalb kürzester Zeit entleerte. Wir fanden das sehr außergewöhnlich, aber es wurde an diesem Tag sogar noch verrückter. Wir fühlten uns alle plötzlich wie betäubt, waren aber doch noch wach genug, um mitzubekommen, was jetzt geschah: wir sahen eine Art Licht plötzlich direkt auf uns zukommen, und zwar von der entgegengesetzten Seite von der sonst die Nahrung geliefert wurde! Hinter diesem Licht kam eine Art harte Nahrung in einem Stück. Ich versuchte, hieraus etwas zu entnehmen, aber diese Nahrungsstange ließ nichts los außer etwas fettigem Wasser. Plötzlich schrie eine meiner Nachbarinnen in der Darmwand laut auf und war gleich danach verschwunden. Wir haben nie wieder etwas von ihr gehört. Kurze Zeit später verschwand die Stange wieder in derselben Richtung aus der sie gekommen war. Danach wurde es ruhiger und im Laufe des Tages kam auch wieder Nahrung, sodass wir wieder an die Arbeit konnten. Es war ein unvergesslicher Tag, den wir lieber nicht noch einmal erleben möchten. Danach ist es zum Glück auch nie wieder vorgekommen.

In der Zeit als es uns noch gut ging, bekamen wir täglich eine herrliche Massage, weil Hetty sich angenehm bewegte. Wir hatten das Gefühl, dass sie tanzte. Dabei hörten wir viel Geglucker von unseren Nachbarinnen, aber manchmal auch eine Art klopfenden Rhythmus der außerhalb von Hetty entstand. Manchmal war der Lärm in Hettys Umgebung so laut, dass wir nicht einmal mehr das Geglucker hören konnten. Das war herrlich und wir fühlten in diesen Augenblicken auch, dass Hetty sehr mit uns zufrieden war. Zusammen ging es uns super. Aber auch das kam in den letzten 10 Jahren stets seltener vor und wir fingen an, das sehr zu vermissen. Es wurde stiller um uns herum und auch das machte uns nicht fröhlicher.

Immer häufiger bekamen wir von unseren Freundinnen in den Muskeln eine alarmierende Nachricht: Sie riefen: „Wo bleibt die Entspannung? Wir können bei dieser anhaltenden Spannung nicht mehr ausreichend frisches Blut aufnehmen. Wir können uns nicht mehr ausreichend anspannen, weil wir mit Milchsäure vollgestopft sind. Wir fühlen uns machtlos und bei jeder Bewegung verkrampfen wir noch mehr. Hetty hat das Gefühl, dass wir völlig versauert sind und das ist auch so. Hilf uns, wir wissen nicht mehr was wir tun sollen, um normal funktionieren zu können!“ Sie merkten wohl, dass Hetty jeden Tag versuchte, sich normal zu bewegen, aber trotzdem ging es mit jedem Jahr schlechter und schlechter. Zum Schluss blieb die Bewegung weg und sie hatten das Gefühl, dass Hetty sich nicht mehr selbst bewegte, sondern dass sie bewegt wurde. Wir fühlten allesamt, dass wir uns im Raum fortbewegten, aber wir bekamen immer mehr das Gefühl, dass wir das nicht mehr selbst taten. Wir wurden bewegt. Ganz merkwürdig. Und es war ein unangenehmes und unnatürliches Gefühl.

In diesen Jahren haben meine Freundinnen natürlich immer wieder miteinander überlegt und die große Frage war: „Was geht hier schief? Warum ist alles jetzt so anders als früher? Warum ist es kalt in unserer Umgebung und warum kommen der Sauerstoff und die Nahrung nicht mehr, mit denen es uns früher so gut ging? Warum findet kein Informationsaustausch mehr statt: die Mädels im Oberstübchen bitten uns nicht mehr, Informationen zu speichern und sie fragen auch kaum noch nach Dingen, die ich jetzt erlebe oder gespeichert habe. Warum bin ich zu müde, Hetty nachts durch die R.E.M. Phase zu schieben bis sie herrlich im tiefen Delta-Wellen Schlaf liegt? Warum gelingt es mir nicht, die Nahrung, die vorbeikommt richtig zu sortieren und an meine hungrigen Freundinnen weiter zu geben?“ 10 Jahre lang sind wir nicht dahintergekommen.

Aber jetzt, nachdem es uns im vergangenen halben Jahr wieder ein Stück bessergeht, fangen wir langsam an, es etwas besser zu begreifen!

Jawohl, Du liest richtig: im letzten halben Jahr passierte etwas, das wir ehrlich gesagt, nicht mehr erwartet hatten. Vor ungefähr 6 Monaten geschah plötzlich etwas Merkwürdiges. Alle zusammen lagen wir irgendwo, es wird wohl auf einer Art Bett gewesen sein. Auf einmal fühlten wir alle gleichzeitig zwei Mal einen leichten Schock und danach wurden wir ordentlich geschüttelt. Es war wie ein Erdbeben oder so etwas. Wir haben uns erschreckt, aber wir fühlten uns danach nicht schlechter. Sehr überraschend und nicht unangenehm. Wir sahen einander an und mussten nach dem Schrecken sogar darüber lachen. Aber es wurde noch verrückter. Kurze Zeit später geschah etwas, worüber wir heute noch immer wieder miteinander reden. Das ging folgendermaßen: Wir sprachen noch über die eigenartigen Schocks, als plötzlich eine Welle von roten Blutfreundinnen mit einer enormen Ladung Sauerstoff vorbeikam. So etwas hatten wir bestimmt 10 Jahre lang nicht erlebt! Die Blutgefäßfreundinnen hatten anscheinend plötzlich alle Verkrampfungen gelöst. Es kam damit alles, worum wir jahrelang gebeten hatten, gleichzeitig zu uns. Es war unglaublich und wir wussten gar nicht richtig, was wir machen sollten. Ich selbst bekam schon schnell wieder so viel Kraft von allem Sauerstoff, dass es für mich gar nicht mehr schwer war, Nahrung gut auf zu nehmen, zu sortieren und anschließend an meine Freundinnen weiter zu geben. Die vielen begeisterten Reaktionen auf meine gute Arbeit machten mich richtig froh. Dazu kam auch noch, dass ich ab diesem Tag viel weniger schnelle Zucker und Alkohol verarbeiten musste, weil dies ganz einfach nicht mehr in der Nahrung vorkam! Nur zu bestimmten Zeiten, so ungefähr alle 4 Wochen, kommt jetzt noch mal eine Ladung Schokolade vorbei, aber das ist nach einem Tag meistens wieder vorbei.

Seit diesem besonderen Tag ging es mit mir, aber auch mit all meinen Freundinnen aufwärts. Wir wissen noch immer nicht genau warum, obwohl wir all unsere Freundinnen gefragt haben. Es blieb erst mal ein großes Geheimnis. In meiner Umgebung ist es jetzt meistens schön warm, ich bekomme Sauerstoff und gute Nahrung und ich fühle, dass Hetty mir wieder Aufmerksamkeit schenkt. Und was auch ganz toll ist: Hetty vertraut mir wieder. Und ehrlich gesagt geben wir ihr auch viel Vertrauen zurück! Und wir merken, dass sie sich darüber auch sehr freut. Wir werden auch immer mehr bewegt. Auch das tanzende Bewegen kommt wieder häufiger vor, vor allem wenn wir in Hettys Umgebung diesen Lärm wahrnehmen, der dann durch die Bauchwandfreundinnen hindurch sehr gut hörbar ist!

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In den ersten Tagen war es sehr hektisch und ab und zu ging es auch ganz schief. Es gab Freundinnen, die nach allem Elend, das sie 10 Jahre lang erlebt hatten, gleichzeitig so heftig entladen mussten, dass Hetty manchmal heftig weinen, manchmal zum Glück aber auch ganz doll lachen musste. Genauso wie wir. Die Muskelfreundinnen konnten den Überfluß auch nicht gleich so gut verkraften und mussten immer wieder zittern. Dabei machten sie auch Zuckungen, die anfallsartig auftraten und die sie eine ganze Zeit über sich ergehen lassen mussten. Zum Glück merkten wir, dass dies Hetty gar nichts ausmachte. Ganz im Gegenteil: wo immer wir zitterten oder Entladungen hatten oder in welche Stimmung wir Hetty auch brachten, sie blieb einfach bei uns. Sie fand es prima und wir bekamen sogar den Eindruck, dass sie es genoss! Ganz eigenartig, weil sie davor oft böse auf uns war und wir fühlten, dass sie uns eigentlich loswerden wollte. Ich kann Dir sagen, dass dies viel schöner war. Sogar so schön, dass wir immer weniger verkrampften. Und jetzt, ein halbes Jahr nach diesem denkwürdigen Tag, geht es uns einfach super: keine Verkrampfungen mehr, alle Nahrung wird gut sortiert und weitergereicht. Außerdem sind wir alle zusammen wieder so stark, dass wir Hetty abends so stark gähnen lassen, dass sie davon Tränen in den Augen bekommt.

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Dabei haben wir dann schon alle Informationen des Tages untereinander verteilt und auf unseren Festplatten geordnet, sodass Hetty sich dann ruhig in einen tiefen heilenden Schlaf fallen lassen kann. Zu Anfang mussten wir sie noch durch ein paar heftige Träume drücken, aber nicht einmal dafür wurden wir von Hetty „bestraft“. Sie verstand anscheinend, dass wir diese schlechten Träume machen mussten, um zusammen die Verkrampfung zu lösen. Die Träume sind inzwischen viel ruhiger geworden und wir merken, dass Hetty anfängt, sich abends darauf zu freuen. Was auch auffallend ist: Die Mädchen aus dem Oberstübchen übermitteln uns wieder die täglichen Erfahrungen zum Speichern und rufen auch wieder alte Informationen ab. Das ist sehr schön, weil wir die Festplatten schließlich dafür in uns haben. Das ist ein Teil unserer Aufgaben und wir wollen unsere Aufgaben gern 100 prozentig erfüllen. Das gelingt uns jetzt wieder und das macht uns sehr froh. Und wenn wir alle froh sind, merken wir, dass Hetty das auch ist!

An diesem Tag vor einem halben Jahr, bemerkten wir, dass etwas sich im Vergleich zu den letzten 10 Jahren sehr veränderte. Seit diesem Tag gibt es jeden Morgen eine Art Zirkus, den wir noch nicht kannten. Wir sind noch nicht wach und dann werden wir plötzlich durchgeschüttelt und es kommt auf einmal ganz viel Sauerstoff zusammen mit den roten Blutmädchen. Es gibt jetzt auch jeden Morgen ein paar Bewegungen, die wir davor nicht gemacht haben und wir merken, dass die Atmungsmädchen oft eine ganze Zeit schwer arbeiten müssen. In dem halben Jahr, in dem dies jetzt ein paar Mal pro Tag passiert, sind die Atemmuskelfreundinnen auch schon um Einiges stärker geworden! Wir werden alle zusammen einfach prima wach auf diese Art und bereiten uns auf den Tag vor: wir freuen uns wieder darauf! Nun, das war in den letzten 10 Jahren aber ganz anders, kann ich Dir sagen.

Hetty hat vor einem guten halben Jahr beschlossen, sich selbst (das heißt: uns) ernst zu nehmen und hat dabei angefangen, sich bewusst für Befreiung aus der scheußlichen „Klemmsituation“, in der wir allesamt gelandet waren, zu entscheiden. Hetty hatte anscheinend zusammen mit jemandem, der sie auf die Idee gebracht hatte, vor einem halben Jahr die vor mehr als 10 Jahren entstandenen Blockaden in der Durchblutung aufgelöst. Die erlernten kräftigen Atembewegungen geben zusammen mit den angenehmen anderen Bewegungen jeden Tag alles, wonach wir verlangen: Sauerstoff, Nahrung, Bewegung, Aufmerksamkeit und Vertrauen und wir können unsere Aufgaben immer besser erledigen. Hetty gibt uns Aufmerksamkeit und Vertrauen und wir fühlen, dass Hetty sich für uns entscheidet. Auch wenn wir sie merken lassen, dass es unserer Meinung nach für diesen Tag wieder genug ist. Herrlich, weil dafür sind wir ja da: um für 100 % tun zu können, wofür wir gemacht sind. Für Hetty!

Jetzt, ein halbes Jahr nach diesem denkwürdigen Tag, geht es uns miteinander wesentlich besser. Wir haben, abgesehen von einzelnen kleinen Zwischenfällen, die immer wieder schnell aufgelöst werden, immer mehr gute Tage, feine Nächte und viel Vertrauen in das, was wir zusammen erleben. Und wir sind froh. Hetty empfand sich selbst jahrelang wie eine Art Raupe, aber fühlt sich jetzt immer häufiger wie der Schmetterling, der sie früher auch oft war. Und dann noch die Nachricht unserer Augenfreundinnen, dass die Tränenproduktion wieder so gut in Gang gekommen war, dass sogar beim Gähnen schon die Tränen in die Augen schießen! Auch beim Lachen und in Augenblicken von Rührung, die in der letzten Zeit auch wieder häufiger vorkommen. Sie nennt es oft ein Wunder, aber wir wissen natürlich, dass es vor allem logisch ist. Bio-logisch! Denn wenn wir alle lächeln, weil wir das bekommen, wonach uns verlangt, dann lächelt Hetty auch!

Ich hoffe für Euch alle, dass es Euch wieder genauso gut gehen wird wie uns und dazu kann ich Euch eines sagen: Wenn man so wie wir 10 Jahre lang in der Klemme gesessen hat, kann man sich nicht mehr vorstellen, wie es war, als es einem noch gut ging. Aber glaubt mir: anscheinend haben wir alle dieselbe enorme Kraft in uns, auch wenn man sich das nach langer Zeit im Elend nicht vorstellen kann. Man muss nur um alles bitten, was man braucht. Und wenn die Person, in der Ihr wohnt, genauso schlau ist wie Hetty, dann kann es Euch höchstwahrscheinlich wieder um Einiges bessergehen. Die Person muss sich nur ganz klar für sich selbst entscheiden und dann lernen, wie die Durchblutung wieder gut in gang kommen kann. Und sie muss lernen, Euch wieder alles zu geben, was Ihr braucht. Und das jeden Tag. Dann wird es wieder. Genauso wie bei uns.

                                      Liebe Grüße von Epiphora!