Hallo, mein Name ist Hetty

Hallo, mein Name ist Hetty

Die Geschichte von Hetty: Einer Frau mit der Diagnose Fibromyalgie

Hallo, mein Name ist Hetty. Ich bin jetzt 29 Jahre alt und möchte Dir gern erzählen, was mir passiert ist. Es ist etwas merkwürdig, was ich mit Dir teilen möchte, aber vielleicht bringt es Dir etwas.

Warum ich angefangen habe, hierüber zu schreiben? Weil es viele Menschen gibt, die in derselben bizarren Situation gelandet sind, in der ich mich 10 Jahre meines Lebens befunden habe.

Ich fange beim Anfang an:

Vor 29 Jahren wurde ich in eine liebevolle Familie hineingeboren. Ich war kein Kraftprotz und hatte auffallend bewegliche Gelenke. (Vor Kurzem erst hörte ich, dass man das Hypermobilitätssyndrom nennt) Ich entwickelte mich gut und war mit 8 Jahren schon eine der besten im Gymnastikverein. In der Schule hatte ich keine Schwierigkeiten und kam gut mit, ohne mich allzu sehr anstrengen zu müssen. Ich schlief jede Nacht durch und hatte Energie für 10. So oft ich konnte, hörte ich laute Musik und konnte mich dabei stundenlang austoben. Ich hatte ein Superleben!

Alles lief gut bis sich eines Tages meine erste Regelblutung einstellte. Das war eigenartig: erst war ich nur etwas müde und meine Gelenke taten etwas weh. Dann bekam ich Bauchschmerzen und den Rest brauche ich wohl nicht zu beschreiben… Das Ganze brachte mich etwas aus der Fassung, aber eine Tafel Schokolade brachte die Rettung, dachte ich. Nach etwa zwei Tagen hatte ich wieder mehr Energie und machte ich fröhlich weiter, wo ich zwei Tage zuvor aufgehört hatte.

Eines Tages, ich glaube, dass ich 14 Jahre alt war, bekam ich plötzlich enorme Bauchschmerzen in der Nähe meines Bauchnabels und egal, was mir meine Mutter einflößte, es wurde immer schlimmer. Meine Eltern wussten nicht mehr weiter und riefen den Notarzt. Der sagte: „Du musst sofort ins Krankenhaus! Ich glaube, du hast schon etwas länger eine Blinddarmentzündung.“ Damit hatte er Recht. Ich konnte gleich im Krankenhaus bleiben und wurde am selben Nachmittag noch operiert. Davon habe ich wenig mitbekommen, weil ich eine Voll-Narkose bekam.

Als ich wieder aufwachte, hatte ich ein großes Pflaster auf meinem Bauch und nach ein paar Tagen begann etwas sehr Unangenehmes: Die Narbe fing immer stärker an zu ziehen und schließlich tat es schon weh, wenn ich nur mal tief durchatmen wollte.

Und das hörte gar nicht mehr auf. In derselben Zeit bekam ich immer wieder Kopfschmerzen, aber ich achtete nicht darauf, weil sie auch wieder aufhörten. Auch jetzt mit 29 Jahren habe ich die Beschwerden in meiner Bauchwand immer noch. Aber egal, Du weißt wie es geht: man nimmt sein Leben wieder in die Hand und macht dort weiter, wo man aufgehört hatte. Und so habe ich das auch gemacht.

In der Schule gab es viel zu tun und ich musste mich sehr anstrengen, weil meine Eltern und ich gedacht hatten, dass ich wohl auf das Gymnasium gehen könnte. In den ersten Jahren ging das prima, aber in den Jahren nach der Geschichte mit den Bauchschmerzen ging es mir langsam immer mäßiger. Erst fiel es mir gar nicht so auf, aber nach meinem 16ten Geburtstag wurde immer deutlicher, dass ich weniger Energie hatte und regelmäßig tolle Kopfschmerzen bekam, wenn das monatliche Ereignis wieder auf mich zukam. Auch das Lernen ging mühsamer, ich wusste nicht, wie mir geschah. Konzentrieren und behalten wurde lächerlich schwer. Außerdem war mir schnell kalt und meine Eltern fanden das richtig komisch: „Wir laufen im T-Shirt und Du kriechst in den Ofen!“ Sehr witzig! Aber nicht wirklich! Aber gut, weil ich mich nun mal nicht unterkriegen lasse, machte ich weiter auf dem eingeschlagenen Weg. Auch wenn das weniger Spaß machte als vorher.

Was damals auch so merkwürdig war: ab und zu hatte ich eine Blasenentzündung und sogar zweimal eine Lungenentzündung, einfach so, aus heiterem Himmel. Ich ging dann zum Hausarzt und der stellte dann eine Entzündung fest. Davon wurde ich sehr müde, aber zum Glück bekam ich dann Antibiotika und dann ging es mir wieder besser. Nun ja, besser: Ich erholte mich wieder, aber hatte nie das Gefühl, dass ich wieder meine „alte“ Energie wieder ganz zurückbekam wenn das Fieber sank und ich wieder zur Schule ging.

Was damals auch sehr unangenehm war: Ich bekam immer häufiger Unterbauchbeschwerden, eine Art Darmkrampf. Vor allem im rechten Unterbauch hatte ich dann starke Krämpfe. Ich konnte manchmal tagelang nicht zur Toilette oder musste manchmal zur Toilette rennen, weil der Stuhlgang so dünn war. Auch mein Rücken fing an weh zu tun. Egal, was ich beim Physiotherapeuten tat, die Schmerzen kamen immer wieder. Weil meine Eltern sich Sorgen machten, sind wir wieder zum Hausarzt gegangen, aber der konnte nichts feststellen. Die Unsicherheit blieb und davon wurde es auch nicht besser! Eines Tages wurde entschieden, dass ein Internist mich mal untersuchen müsste. Das war vielleicht was! Ich musste für einen Tag ins Krankenhaus und durfte nichts essen. Ich bekam etwas Ekliges zu trinken und die Krankenschwester sagte dabei lachend: „Wenn Du meinst, dieses Zeug würde nicht wirken, dann hast Du Dich geirrt, Fräulein! Pass nur auf!“ Zuerst passierte wenig, und ich dachte, dass ich wohl wieder die Ausnahme von der Regel sein würde. Aber da hatte ich mich doch geirrt. Nach einer Stunde fing es in meinem Bauch gefährlich an zu blubbern und in den Stunden danach habe ich vor allem auf der Toilette Comics gelesen. Als ich schließlich absolut leer war, durfte ich mich auf eine Trage legen und nach einer Spritze schlief ich ein. Als ich wieder wach wurde, lag ich in einem Bett und kam langsam wieder zu Bewusstsein. Etwas später kam der Internist strahlend zu mir und erzählte mir, dass ich einen ganz tollen Darm hätte, dem absolut nichts fehlte. Er hatte ein Stückchen Darm rausgeknipst und untersucht und alles sah gut aus. Ich freute mich kurzfristig, aber fragte den Arzt gleich danach: „Warum habe ich dann aber immer diese schrecklichen Bauchschmerzen?“ Und da sagte er: „Du solltest Dir nicht so viel Sorgen machen, kleines Fräulein. Einfach nur gesund essen. Schau mal, ob Du gegen irgendwelche Nahrungsmittel allergisch bist und bewege Dich viel. Auf Wiedersehen.“ Und schon war er wieder weg, anscheinend auf dem Weg zum nächsten Patienten. Ich war völlig platt und hätte ganz doll heulen können, aber das kann ich nicht so gut; also habe ich es nicht getan.

Als ich ungefähr 17 Jahre alt war, wurde es noch merkwürdiger. Das war eigentlich zum selben Zeitpunkt als meine Eltern eine Krise miteinander hatten. Meine Mutter hatte sich in einen anderen Mann verliebt und das meinem Vater erzählt. Sie sind damals zusammen zu einem Therapeuten gegangen und haben zum Glück in den folgenden Jahren wieder zueinander gefunden. Aber während dieser Zeit mussten wir als Kinder sehen, wie wir zurechtkamen, weil Vater und Mutter vor allem mit sich selbst beschäftigt waren. In dieser Periode wurde ich noch müder, hatte mehr Kopfschmerzen, konnte nicht gut durchschlafen, bekam Muskelschmerzen und wurde irgendwie immer steifer. Als wenn jemand die Muskeln so sehr unter Strom gesetzt hatte, dass sie nie mehr gut entspannen konnten. Ich versauerte völlig. Meine Gelenke taten weh und sogar sitzen und laufen wurde immer anstrengender. Von Sport war schon lange keine Rede mehr, weil ich das kurz nach meiner Bauchoperation hatte aufgeben müssen. Und was auch auffallend war: ich konnte mich nicht mehr gut konzentrieren und mein Gedächtnis, dass photographisch gewesen war, ließ mich auch immer mehr im Stich. In der Schule dachten sie, dass mir alles egal war und fragten mich, ob alles in Ordnung sei. Natürlich habe ich gesagt, dass es mir gut ging und dass ich nur etwas Probleme mit dem Schulstress hätte. Aber so war es nicht. Ich hatte immer mehr Schwierigkeiten mit der Reizüberflutung auf der belebten Schule und auch durch Lärm und Licht fühlte ich mich unter Druck gesetzt. Und sogar, wenn jemand nur meine Haut berührte, rief ich manchmal: „Kannst Du nicht aufpassen, das tut weh!“ Dann sah man mich komisch an mit einem Ausdruck von: „Ich hab‘ Dich kaum berührt!“ Und das war auch so. Aber es tat einfach weh, wenn man mich berührte. Meine Bauchschmerzen wurden auch immer schlimmer und dann meine ich nicht nur die Schmerzen unter dem Nabel, aber vor allem die starken Krämpfe in meinem Darm. Das nannte man dann Reizdarm. Nun, das reizte mich auch, als man mir das erzählte: viel Schmerzen und wenig Ursachen! Das sagte mir gar nichts.

Weil mein Hausarzt schon ziemlich genervt war, wenn er mich nur kommen sah, kam er irgendwann mit dem Vorschlag: „Du solltest Dich mal von einem Rheumatologen durchchecken lassen, weil ich nicht rauskriege, was mit Dir los ist.“ Das war, nachdem ich alle Therapien und Medikamente schon ausprobiert hatte. Ich hatte von ihm sogar schon Antidepressiva bekommen und eingenommen. Er dachte, dass es durch Spannungen kam und dass ich vielleicht etwas depressiv war. Ich habe das Zeug geschluckt und dann passierte auch etwas Merkwürdiges: Ich fiel fast um, lief unsicher durch die Schule und verunglückte beinahe mit dem Fahrrad. Die Medikamente habe ich ganz schnell wieder abgesetzt und die Verpackung zur Apotheke zurückgebracht mit der Mitteilung: „Passt bloß auf, dass niemand dieses Zeug nimmt, weil man davon bescheuert wird.“ Darüber haben sie in der Apotheke laut gelacht.

Ich ging zum Rheumatologen als ich 18 war. Der war sehr schnell fertig mit mir. Er sagte „Ich habe Dich untersucht und wir haben Dein Blut kontrolliert. Du hast kein Rheuma oder eine andere deutliche Krankheit. Du hast Fibromyalgie. Und dagegen können wir nichts tun. Es gibt auch keine Medikamente dagegen, aber es scheint, dass Amitriptylin und starke Schmerzmittel etwas Erleichterung geben. Achte darauf, dass Du in Bewegung bleibst und erzähle Deinen Lehrern oder Deinem Chef: Du wirst nie wieder so wie früher, weil Du Fibromyalgie hast. Versuche, es zu akzeptieren, denn das ist das Einzige, was Du machen kannst.“ Ich fiel beinah vom Stuhl nach diesem „Urteil“ und sagte gleich, dass ich den Pillen absolut nicht traute, weil ich schon erfahren hatte, was die mit einem machen! Und so sind wir verwirrt wieder nach Hause gegangen.

Du bist 18 Jahre alt und früher konntest Du immer alles und hast alles gemacht. Dir wurde eine strahlende Zukunft vorhergesagt und selbst hast du an nichts Anderes geglaubt, als dass es auch so passieren wird. Ein unerschütterliches Selbstvertrauen und ein voller Stundenplan in der Schule, Sport und andere Dinge, die Spaß machen. Innerhalb von 4 Jahren war so viel im negativen Sinn verändert, dass ich mich kaum noch erinnern konnte, wie es war, als ich alles noch konnte. Und dann erzählt man Dir, dass Du eine eigenartige „unsichtbare Krankheit“ hast, die Dich außerdem nie wieder verlassen will! Was macht man dann? Dann fängst Du an, im Internet nach Erklärungen zu suchen, weshalb der Rheumatologe sich irren muss. Aber dann kommt es: unglaublich, was man da zu lesen bekommt. Die unsichtbare Krankheit. Ergotherapie. Beihilfe. Kann man Urlaub machen mit Fibromyalgie? Das Gedicht: Mein Name ist Fibromyalgie. Selbsthilfegruppen ……. Wenn ich es noch nicht war, so wurde ich hiervon depressiv. Ich habe gleich wieder aufgehört zu lesen und habe so weitergelebt wie es eben möglich war. Und mich so wenig wie möglich damit beschäftigt, was andere davon dachten. Ich habe meine Ausbildung weiterverfolgt und auch wenn es etwas länger dauerte als durchschnittlich, habe ich mein Logopädie Examen gemacht. Ich habe angefangen, 4 Tage in der Woche zu arbeiten und versuchte mich dann abends auf dem Sofa zu erholen. Viel mehr gab es in der Zeit wirklich nicht. Arbeiten, Einkaufen, Essen kochen. Und am Wochenende Erholen oder etwas unternehmen, dass nicht zu anstrengend war.

Ich hoffte, dass ich eines Tages fühlen würde, wie die Fibromyalgie von selbst verschwand. Der Rheumatologe hatte gesagt, dass Fibromyalgie auch mal spontan wieder verschwindet. Außerdem hoffte ich, dass irgendwann einmal jemand kommen würde, der das Rätsel, in dem ich mich befand, entwirrt und eine Lösung gefunden hätte.

Von Freunden hatte ich schon mal vom Rheumatologen Dr. E.N. Griep gehört. Er sei ein Experte auf dem Gebiet Fibromyalgie. Er hatte im Jahr 2000 eine Studie beendet, in der er bewiesen hatte, dass Fibromyalgie kein Rheuma, sondern eine Regulierungsstörung im Kopf ist, oder so ähnlich. Ich hatte schon mal darüber gelesen, aber begriff nicht viel davon. Ich glaube, das ging den meisten Menschen so, weil er damals reichlich Kritik erntete. Leute konnten nicht glauben, dass es kein Rheuma war, sondern dass es etwas mit Stresshormonen und einer Überreaktion des Nervensystems zu tun hatte. Ich habe nur darüber gelesen und weiter nichts damit getan. Es brachte mir nichts, weil keine Lösung genannt wurde.

Jahre vergingen und ich versuchte immer mal wieder die eine oder andere Therapie oder ein Medikament, wenn Freunde oder Bekannte mich darauf aufmerksam gemacht hatten. Leider brachte keins von allen eine Veränderung meiner Situation. Vor einem dreiviertel Jahr, fing ich, einer plötzlichen Eingebung folgend, auf dem Internet an zu suchen, ob dieser Dr. Griep noch irgendwo tätig war. Und tatsächlich, er und seine Frau, die auch Rheumatologin ist, arbeiten zusammen im Antonius-Krankenhaus in Sneek und Emmeloord. Ich bat meinen neuen Hausarzt um eine Überweisung und bekam die zum Glück auch. Ich meldete mich an und nach 3 Monaten hatte ich einen Termin in Emmeloord, das war für mich am nächsten. Ich kam zu Frau H. Griep-Wentink. Sie war sehr freundlich und untersuchte mich sehr gründlich. Sie besprach auch die Ergebnisse der Blutuntersuchung mit mir. Es gab leichte Störungen im Vitaminhaushalt und dafür erhielt ich ein Rezept von ihr. Dann sagte sie: „Wahrscheinlich hast Du schon einige Jahre Beschwerden durch die früher schon festgestellte Fibromyalgie. Als Rheumatologen haben wir uns jahrelang damit beschäftigt und sehr lange vergeblich nach einer Behandlungsmöglichkeit gesucht. Jetzt aber haben mein Mann und ich hier in der Nähe eine Therapie entdeckt, die gute Resultate zeigt bei Menschen mit derselben Diagnose wie Deiner. Ein Physiotherapeut hat eine neue Methode entwickelt, die PersonalTuning Therapie heißt. Dies ist so etwas Besonderes, weil er mit seiner Therapie Resultate bucht, wo wir mit anderen Therapien kaum Verbesserung sehen. Wir haben diesen Therapeuten kennengelernt und sind inzwischen davon überzeugt, dass seine Einstellung genau das behandelt, worüber mein Mann im Jahr 2000 seine Dissertation geschrieben hat.“

Das kam mir alles etwas sehr zufällig vor, aber meine Neugier nach dieser PersonalTuning Therapie war trotzdem geweckt.

Ich sah mir die Homepage PersonalTuning Therapie im Internet und auf Facebook an und habe alles Mögliche darüber gelesen, wie man dort über Fibromyalgie dachte. Ich beschloss, einen Versuch zu wagen und meldete mich an für einen ersten Termin. Den bekam ich schon in der darauffolgenden Woche und so machte ich mich auf den Weg zu Hans Timmermann, dem Physiotherapeuten, der sich die Therapie ausgedacht hatte.

Er untersuchte mich und sagte, dass er Anknüpfungspunkte gefunden hätte, um eine Behandlung starten zu können. Danach erklärte er mir alles über seine Ansichten über die Entstehung von Fibromyalgie. Und was es eigentlich ist. Er erklärte mir, dass Fibromyalgie zum größten Teil ein bio-logisches Phänomen ist und dass es deutliche Ursachen gab für die völlig „leeren Akkus“ mit denen ich schon jahrelang rumlief. Er nannte auch einen Begriff, den ich zuerst nicht verstand: „Sympathikus-Dominanz“. Als ich ihn fragte, was das bedeutete, erklärte er mir, dass er dies von Dr. Griep gelernt hätte. Es bedeutete, dass mein Körper anscheinend schon jahrelang so sehr unter dem Einfluss von Adrenalin stand, dass die normalen Stressreaktionen wie fliehen, kämpfen oder Cortison Produktion, um den „Brand wieder zu löschen“, wegen Erschöpfung ausfielen. Und dass mein Körper ununterbrochen erstarrt war, ohne dass eine Reaktion in Gang kam, die das Ganze wieder normalisierte. Dann erzählte er, dass es passieren kann, dass nicht alle Substanzen, die durch den Körper strömen, ausreichend an der richtigen Stelle landen. Er nennt das gestörte „Bio-Logistik“. Eine Abnahme der Durchströmung der zwei Nackenarterien spielen seiner Meinung nach auch eine große Rolle bei der Entstehung von Sympathikus-Dominanz. Nach dieser Erklärung begriff ich es ein wenig und danach fing er mit der Behandlung an.

Und dann fing es an. Ich lag auf dem Rücken auf dem Behandlungstisch. Erst zog er an meinen Beinen und schüttelte meinen Körper. Danach brachte er mir ein paar spezielle Bewegungen und Atemtechniken für den Abend und für den Morgen bei. Ganz merkwürdig. Und ich dachte: „Wenn mir das helfen soll, dann muss aber bestimmt noch etwas mehr passieren.“ Aber dieser Hans Timmerman sagte: „Das ist es. So musst Du das machen, jeden Abend vor dem Einschlafen, bis Du nicht mehr gähnen musst. Und morgens genauso, aber dann alles etwas flotter.“ Dann hat er mir gezeigt, wie ich sitzen, laufen und aufstehen musste, ohne die richtige Haltung aufzugeben. Er gab mir noch ein paar weitere Atembewegungen dazu und das war´s dann. Die Übungen gab er mir schriftlich mit nach Hause.

Da ging ich dann. Es fühlte sich sehr merkwürdig an, als ob ich etwas schweben würde und ich fühlte mich leichter, irgendwie aber auch wieder schwerer. Auch fühlte ich eine ganze Zeit ein Kribbeln und Strömen in mir. Der Therapeut hatte mir gesagt, dass dies meine Heilung sei. Er hatte mir auch erzählt, dass noch alles Mögliche mit mir passieren könnte, weil die „Sicherung“ etwas rausgedreht sei. Das könnte Zuckungen hervorrufen, Gefühle und Erinnerungen wachmachen. Es könnte auch sein, dass ich mehr und anders träumen würde als sonst. Das würde dazugehören und ich bräuchte nicht zu erschrecken. Am besten könnte ich auch irgendjemandem, z.B. meinem Freund, erzählen, was in dem Moment in mir vorging und was ich mitmachte. Das habe ich dann auch gemacht. Ich beschloss, meinem Körper wieder zu vertrauen, dass alles sich zum Guten wenden würde und erzählte es jedes Mal meinem Freund, wenn ich mit meinem Körper wieder etwas Neues erfahren hatte. Und auch, was ich nachts alles träumte. Der Therapeut hatte mir gesagt, dass Heilung aus dieser eingeklemmten Position nur möglich sei, wenn man sich selbst dazu entschieden habe, gesund werden zu wollen. Wenn man dann die richtige Methode in Händen hat und dabei die richtige Begleitung bekommt, ist die Chance groß, dass man Erfolg hat über alle Ups und Downs und alle Zweifel hinweg.

Die erste Nacht, die ich auf PersonalTuning Art und Weise durchmachte, war wahnsinnig: Ich fing mit den Übungen an und nach einer gewissen Zeit fing ich so schrecklich an zu gähnen, dass mir Tränen aus den Augen liefen. Als das Gähnen aufhörte, schlief ich ein, eigentlich ohne dass ich es gewollt hätte. Es war wie ein Wunder und ich hatte nicht erwartet, dass mir das noch passieren würde.

Auch in der zweiten Nacht ging es prima. In der dritten Nacht hab ich die ganze Zeit rumgegeistert. Ich war oft wach und hatte einen Traum nach dem anderen. Danach wurde es wieder besser. Manchmal habe ich immer noch mäßige Nächte zwischendurch, aber durch die Nacht-Atemtechniken wurden die Nächte schnell immer besser! Mein Bett war nicht mehr mein Feind und: ich wurde immer ausgeruhter wach. Außerdem war mir nicht mehr so kalt, sondern ich wurde immer wärmer. Nach einer gewissen Zeit brauchte ich im Bett keine Socken mehr an und ich tat eine Decke nach der anderen weg bis ich nur noch eine dünne Steppdecke brauchte. Es kam mir vor wie ein Wunder! Mein Freund kapierte gar nichts mehr. Er dachte, dass ich Fieber hatte, aber das war nicht so. Es war meine eigene Wärme, meine eigene Energie! Nach 10 Jahren fing es in meinem Körper endlich wieder an zu strömen.

Der Sauerstoff in meinem Atem verursachte alles Mögliche bei mir und ich wurde mir meines Körpers immer mehr bewusst und habe mich auch immer deutlicher dafür entschieden. Ich fing an, mich an etwas zu gewöhnen, womit ich lange Zeit nicht beschäftigt gewesen war: meinen eigenen Körper! Dadurch, dass ich mir selbst alles gönnte und gab, wurde eine Energie frei, die sich anfangs merkwürdig anfühlte, die ich aber inzwischen als meine eigene Fähigkeit, mich selbst zu heilen kennengelernt habe. Ich hatte mir nie vorstellen können, wie sich das anfühlt: im eigenen Körper zu Hause zu sein!

Zu Anfang war ich sehr skeptisch, weil ich schon viel Erfahrung hatte mit Therapeuten und Ärzten, die dachten, dass sie mich wohl mal eben heilen konnten. Dass diese Methode von Sauerstoffzufuhr, Bewegen, Aufmerksamkeit und Vertrauen in Kombination mit diesen komischen Bewegungen mir guttun würde, wagte ich nach all meinen Erfahrungen doch erst mal ernsthaft zu bezweifeln. Es gibt so viel Enttäuschung bei Menschen wie mir mit der Diagnose Fibromyalgie in Hinsicht auf den Wald von Therapieanbietern. Aber als ich das erste Mal von der Behandelbank runterkam, hatte ich eigentlich schon das Gefühl, dass dieses Mal wirklich etwas passierte, das Veränderung in die Situation brachte und ich war schon gleich halb überzeugt. Aber trotzdem abwartend. Zum Glück kann ich jetzt, nachdem ich mich ein halbes Jahr lang voll eingesetzt habe, merken, dass es mir wirklich bessergeht. Ich bekomme immer mehr Vertrauen, aber bei jedem Rückschlag, der mich trifft, kommen wieder Zweifel auf……

Der ganze Heilungsprozess dauert noch an und ich muss die Übungen immer weitermachen und meinem Körper immer wieder Vertrauen schenken. Es ist eine bizarre und manchmal etwas unangenehme Erfahrung, vor allem, wenn „alte Verletzungen“ oder manche unangenehmen Erfahrungen wieder „wach werden“ und Aufmerksamkeit verlangen. Aber ich lerne auch viel davon und lasse mich dabei von meinem PersonalTuning Therapeuten begleiten. Ich bin ein paar Mal bei einem Osteopathen gewesen, weil in meinem Körper nicht alles gleich gut bewog und strömte. Außerdem bin ich ein paar Mal bei einem Hypnotherapeuten gewesen, der mir hilft, ein paar Geschehnisse aus meiner Jugend zu verarbeiten. Und ich merke jetzt, dass ich allmählich lerne, mich immer mehr für mich selbst zu entscheiden, aber darauf muss ich mich richtig gut konzentrieren, weil ich es oft auch wieder vergesse. Trotzdem geht es zu meiner großen Überraschung immer besser!

In den Wochen nach der ersten Sitzung bei PersonalTuning wurde mir immer deutlicher, warum ich in den letzten 10 Jahren so stark gecrasht war. Und wie es sein konnte, dass ich mein Gedächtnis und Konzentrationsvermögen jetzt zurückbekam. Und wie es geschehen kann, dass man im Körper wieder warm wird. Der Therapeut brachte mir alles Mögliche darüber bei, wie der Körper eigentlich funktioniert und warum es mir am Ende meiner Teenagerzeit immer schlechter gegangen war. Aber was auch ganz besonders war: die merkwürdigen Hautschmerzen waren innerhalb von wenigen Wochen weg, einfach weg! Ich habe auch begreifen gelernt, was Reizdarm ist, und warum ich damit nach 5 Wochen keine Probleme mehr hatte. Eigentlich war die Behandlung genauso viel Kurs wie Therapie. Ich lernte zu verstehen, wie ein Mensch funktioniert, wie ich selbst bin und wie ich meine „Bio-Logistik“ in die beste Position tunen kann (tunen: die richtigen Wellenlängen und Sender suchen, so wie bei einem alten Radio mit 4 Wellenlängen)

Außerdem habe ich gelernt, den Begriff „Sympathikus-Dominanz“ zu verstehen und diese Klemme zu durchbrechen.

Heute, ein halbes Jahr nach meinem ersten Besuch bei PersonalTuning, mache ich jeden Tag meine Übungen, die dafür sorgen, dass es mir immer bessergeht. Meine Dips, die natürlich trotzdem immer mal vorbeikommen wie bei jedermann, verarbeite ich mit immer mehr Vertrauen. Es kostet mich kaum Mühe, mit den Übungen weiterzumachen, weil ich weiß, dass ich mich schlechter fühle, wenn ich sie nicht mache. Ich bin nicht die einzige „Irre“, die so blöde atmet und sich bei den Übungen bewegt, weil immer mehr Menschen die PersonalTuning Methode anwenden. Auch in Asien wird viel mit Haltung und Atemtechniken gearbeitet: wenn ich morgens meine Übungen mache, dann haben das an dem Tag schon Hunderte Millionen vor mir getan…..

Seit ich wieder mehr zu Kräften gekommen bin, habe ich mehr Lust, wieder spazieren zu gehen oder Rad zu fahren. Einfach nur Lust, aber ich muss aufpassen, dass ich keine Leistung daraus mache, weil mein Körper damit anscheinend nichts anfangen kann: allein der Gedanke an eine ordentliche sportliche Leistung mit einer schönen Medaille für den Sieg macht mich schon hundemüde. Ganz merkwürdig. Aber wenn ich jetzt rumlaufe und dabei meinem Körper alles gebe, fühlt sich das immer besser an und ich merke sogar, dass meine Muskeln stärker werden. Wirklich eigenartig, weil ich keinen Kraftsport oder etwas Ähnliches mache. Ich mache nur meine PersonalTuning Übungen, wandere und fahre mit dem Rad. Außerdem mache ich leichte Übungen mit dem Bodytube für meine Schultermuskulatur, so wie es mir der Physiotherapeut beigebracht hat.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich auf diese Art daraus befreien könnte.

Woraus? Aus dem „Gefängnis mit unsichtbaren Mauern“, das Fibromyalgie genannt wird.

Herzliche Grüße von Hetty